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09.02.08 - Ein Pensionär im Unruhestand

Heinrich Hirsch begleitet Klassen zum Schwimmunterricht und organisiert Klassenfahrten

Von Peter Carmine

Hille-Nordhemmern (pc). Ein unruhiger Ruhestand: Der fast 70-jährige Heinrich Hirsch war bis zum Jahr 2002 Lehrer, dann ging er in Pension, aber noch heute arbeitet er mit Kindern im schulischen Bereich und als Übungsleiter mehrerer Sportvereine mit Erwachsenen.

Jahrelang war der gebürtige Schlesier als Sport-, Werk- und Techniklehrer an der Grundschule Nordhemmern, der früheren Hauptschule Hille und dann nach deren Auslaufen an der Grundschule Hille tätig. Turnen, auch auf dem Trampolin, Werken und Töpfern – das waren und sind seine großen Leidenschaften. Außerdem betreut der Pensionär die Hiller Grundschüler bei ihrem Schwimmunterricht im Oberlübber Lehrschwimmbecken und unterstützt damit die Lehrkräfte. Und er organisiert und begleitet mehrtägige Klassenfahrten zur Insel Amrum.

„Heinrich, wann wirst du eigentlich Ehrenbürger von Amrum”, wird er oft von Kollegen gefragt, nachdem er schon unzählige Male mit seiner Frau Roswitha, Schulklassen und Familienfreizeiten auf der Nordseeinsel war.

Ganz weit ist er von der Ehrenbürgerschaft nicht mehr entfernt. Immerhin hat die Hiller Grundschule ein Schild mit der Aufschrift „Heinrich-Hirsch-Weg” anfertigen lassen, das im Sommer zumindest für ein paar Stunden in Anwesenheit des Wittdüners Bürgermeisters Jungklaus auf der Insel aufgestellt wird. „Das ist natürlich nur ein Spaß, mit dem wir uns bei Heinrich Hirsch für seine ehrenamtliche Tätigkeit bedanken wollen”, freut sich der Konrektor der Grundschule Hille, Matthias Wittemeier über diese Idee.

Heinrich Hirsch wird bei seinen Klassenfahrten mit Schülern der Grundschulen Hille und Oberlübbe und demnächst auch Möllbergen richtig gefordert: Wattführungen mit Buddeln im Wattenmeer, Fahrten zu den Seehundbänken, das Fischen von Kleingetier, um es zu bestimmen, die Badeaufsicht im Wellenbad mit seinem Freund Hansi, dem dortigen Schwimmmeister, gehören ebenso dazu wie Besichtigungen der Seenotrettung und der Tonnenwartung, die normalerweise für Fremde tabu ist.

Dem engagierten Pädagogen scheinen sich auf Amrum alle Türen zu öffnen. „Bis ins Jahr 2010 gehen meine Planungen für Klassenfahrten heimischer Schulen nach Amrum.“

Im Alter von sieben Jahren kam der gebürtige Schlesier nach Westdeutschland, lebte zunächst einige Jahre im Norden und ging dann mit 17 Jahren nach Minden. Der gelernte Vulkaniseur arbeitete auch noch in Minden mit Reifen. „Autos gab es damals noch nicht so viele, aber Motorradreifen waren häufig zu flicken“, blickt er zurück.

Schon als Jugendlicher turnte er mit Kindern. „Turnhallen gab es in der Nachkriegszeit kaum. Wir waren in Tanzsälen, die wir mit alten Öfen, in denen Torf verbrannt wurde, beheizen mussten”, erinnert er sich an die Anfangszeit seiner Lehrtätigkeit mit Kindern.

Sportlich schon immer aktiv

Bald wurde er Übungsleiter beim Mindener Turnverein (MTV) – aus den Kindergruppen entwickelte sich mit seiner Unterstützung eine Leistungsgruppe, die an Turnwettkämpfen erfolgreich teilnahm.

Als er eines Tages eine Zeitungsanzeige las, in der Lehrer gesucht wurden, um den damaligen Lehrermangel zu beheben, sah er seine Chance. Er bewarb sich und bekam eine Zusage. Nach Fortbildungen arbeitete Heinrich Hirsch dann als Sport- und Werklehrer an Hiller Schulen.

Später entdeckte er seine Liebe zu den Pferden und ritt in der Altherrenabteilung des Reitervereins Hille. Auch bei den Skifreizeiten des TV Sachsenroß Hille in Österreich in den achtziger und neunziger Jahren fuhr er mit. Offiziell als Teilnehmer, in Wirklichkeit aber als emsiger Helfer im Hintergrund. Seit über 30 Jahren turnt Heinrich Hirsch als Übungsleiter mit Frauen aller Altersgruppen in der Gymnastikgruppe des TuS Südhemmern. „Viele waren früher meine Schülerinnen”, schmunzelt er. Seit sechs Jahren betreut er außerdem eine Männergymnastikgruppe des RSV Mindenerwald in der Turnhalle der Förderschule Mindenerwald.

Für Heinrich Hirsch ist sein unruhiger Unruhestand eine Erholung. „Zwar ist es auch die Freude, mit netten Kolleginnen und Kollegen zu kooperieren, aber vor allem macht mir der Umgang mit Kindern bei Spiel und Sport Spaß.“

Heinrich Hirsch betreut Klassen beim Schwimmunterricht. Foto: Peter Carmine