VON GISELA BURMESTER
Hille (mt). Früher sprach jeder auf dem Dorf Plattdeutsch, heute ist es eine aussterbende Sprache. Dieser Entwicklung entgegensteuern möchte die Plattdeutsch-AG der Grundschule Hille.

Die Plattdeutsch-AG der Grundschule Hille hatte ihren ersten öffentlichen Auftritt. | MT-Foto: Gisela Burmester
28 Jungen und Mädchen des dritten und vierten Schuljahrs boten kürzlich in der Grundschule ein unterhaltsames Programm. Mit Schulleiterin Helga Wittenfeld, die fließend Hiller Platt spricht, hatten die Kinder Lieder, Sprüche, Geschichten und Sketche eingeübt. Es sei schwierig, sagte die Lehrerin, geeignete Literatur und Lehrmaterial zu finden, daher habe sie zahlreiche Texte selbst übersetzt. Nach den Herbstferien habe die Arbeitsgemeinschaft begonnen, sich mit dem Hiller Platt zu beschäftigen.
Plattdeutsch sei, informierte sie die Zuschauer und Zuschauerinnen, keine Mundart, sondern eine eigene Sprache. "Wir wollen sie erhalten, weil sie eine typische Besonderheit unserer Region ist." Mittlerweile sei die Behauptung widerlegt, dass Kinder, die neben Hochdeutsch schon früh auch Plattdeutsch lernten, Nachteile bei der Sprachentwicklung hätten. "Das Gegenteil ist der Fall. Kindern fällt das Erlernen weiterer Sprachen leich
Einen dringenden Appell richtete Helga Wittenfeld an die Großeltern: "Haben Sie den Mut, mit ihren Enkeln Platt zu sprechen."
Dann war die Bühne frei für die 28 Kinder. Sie sangen das Bewegungslied "Kopp, Schullern", "De Schnieder heff ne Mius" und "Herrn Pastoer sin Keoh", begleitet von Bianca Schäfer, Mitarbeiterin in der Ganztagsbetreuung, auf der Gitarre.
Jule und Joline aus dem vierten Jahrgang, Siegerin und Zweitplatzierte beim plattdeutschen Lesewettbewerb in der Grundschule, lasen die witzigen Geschichten "De Scheolroet" und "Hulsken", und auch Erzählung "De lüttke Hoase" war zu hören.
Für große Heiterkeit sorgten die Sketche "Taien Poar Hulsken" und "Kaffestunne". Im Ersten ging es um eine besorgte Mutter, die abends die Holzschuhe zählt, um zu wissen, ob ihre zehn Kinder alle im Bett liegen. Doch eines Tages stehen dort nur neun Paar.
Joline und Jesper spielten das Ehepaar Grete und Wilhelm, die nach langen Ehejahren nur noch zwei Wörter brauchen, um sich zu unterhalten - sehr zum Gaudi des Publikums eine recht einsilbige Angelegenheit.
In einem Heft gesammelt haben die Schüler die plattdeutschen Sprüche, die meist recht derb daherkommen. Dass es davon jede Menge gibt, konnten die Zuschauer auf der Leinwand nachlesen. Zu jedem Sprichwort hatten die Kinder ein Bild gemalt.