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Grundschule Hille
21.06.10 - Wenn Hochdeutsch plötzlich fremd klingt

"Platt" ist Trumpf beim vergnüglichen Abend im Müllerhaus Südhemmern / Feine Unterschiede von Ort zu Ort

Plattdeutsch kommt an: Das unterstrichen die Besucher mit ihrem Beifall.

VON CARSTEN KORFESMEYER

Hille-Südhemmern (cko). Samstagabend waren alle "platt". Mehr als zwei Stunden hörte man im Müllerhaus so gut wie kein hochdeutsches Wort.

Die Heimatvereine der Gemeinde trugen Geschichten oder Anekdoten vor. Darin wurde das dörfliche Alltagsleben aufs Korn genommen - mal heiter und hintergründig kommentiert oder mit Augenzwinkern begleitet. Auf jeden Fall war es ein vergnüglicher Abend in plattdeutscher Sprache, den die mehr als 70 Besucher sicherlich so schnell nicht vergessen werden.

Grundschüler trugen plattdeutsche Lieder vor und bekamen dafür den verdienten Applaus.

Gleich zu Anfang wurden zwei Missverständnisse aus dem Weg geräumt. Auf Platt trugen die Kinder der Grundschule Lieder vor. Sie bewiesen damit den generationsübergreifenden Charakter dieser alten Sprache ist, die in der Fachwelt überwiegend als eigenständig gilt - und somit kein Dialekt ist. "Außerdem unterscheidet sich das Plattdeutsche auch von Ort zu Ort", sagt Hermann Peithmann vom Heimatverein Südhemmern.

Dass es zwischen Rothenuffeln, Nordhemmern, Hartum oder Eickhorst zu Verständigungsproblemen kommen kann, ist aus plattdeutscher Sicht zwar übertrieben, allerdings: "Manche Wörter sind typisch ortsbezogen", sagt Peithmann - und deshalb fielen auf der Bühne gelegentlich Begriffe, die mancher noch gar nicht kannte. Das sorgte dann auch für Gesprächsstoff.

Engagiert trugen die Mitglieder des Heimatvereins vor, darunter Auszüge aus literarischen Werken heimischer Autoren wie Karl Pinkemeyer, Wilhelm Buhrmester, Friedrich Seele oder Fritz Niemann. Schnell entstand ein Heimatbewusstsein sowie ein Spracherlebnis und: Wer mal das eine oder andere Wort nicht verstand, ließ es sich kurzerhand von Sitznachbarn erklären.

Diesen ersten "Plattdeutschen Abend" dürfen die Initiatoren ohne Zweifel als Erfolg verbuchen. Die Veranstaltung bot die ideale Kombination aus Unterhaltung, Information und der Präsentation eines (noch) viel zu sehr unterschätzten Kulturgutes: der niederdeutschen Sprache. Sie wurde in den vergangenen Jahrzehnten verdrängt, kehrt jedoch seit einiger Zeit zurück. In der Grundschule Hille gibt es beispielsweise eine Plattdeutsch-AG.

So dürfte wohl auch der erste plattdeutsche Abend nicht der letzte gewesen sein. Er ist aus einer Idee entstanden, die in den Vereinen Ende 2009 in einem Gespräch beim Bürgermeister geboren wurde, berichtet Peithmann. Im Rahmen des Landart-Festivals bietet die Gemeinde die "Hiller LesArt" mit offenen Gärten oder Autorenlesungen an. "Und da haben wir uns spontan gedacht, dass die plattdeutsche Sprache bei den Angeboten nicht fehlen darf"

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